Lochkamera für Fuji Instax-Wide Sofortbildfilm

Wer sich mit der Lochkamerafotografie beschäftigt sollte schon etwas Geduld mitbringen. Die Belichtungszeiten können sehr lang sein und bis der Film entwickelt ist vergeht weitere Zeit. Nicht immer möchte man aber dem Charme der Entschleunigung erliegen und etwas schneller an die Bildergebnisse gelangen. Da bietet sich der Einsatz von Sofortbildfilmen an, man erhält sofort ein Positiv und muss nicht erst in die Dunkelkammer. Aber der Markt für dieses Filmmaterial wird aufgrund der Digitalisierung allmählich dünn und man muss Ausschau nach Alternativen halten.

der Trennbildfilm wird eingestellt….

Bisher habe ich überwiegend den Fuji Trennbildfilm verwendet. Zwei Minuten nach der Aufnahme hält man ein fertiges Bild in der Hand. Die Lochkameras waren schnell gebaut entweder ersetzte ich die Optik alter Polaroidkameras durch eine Lochblende, oder etwas komfortabler, eine „Lochkamera-Kiste“ wurde an eine Polaroidkassette für Fachkameras adaptiert. Pro Filmpack konnten 10 Aufnahmen verschossen und bald betrachtet werden, ideal zum Beispiel im Urlaub. Bei den Trennbildfilmen werden Negativfilm und das Positivpapier nach der Belichtung durch manuelles Herausziehen aus der Kassette mit Entwicklerpaste benetzt und zusammengefügt. Nach einer Entwicklungszeit von wenigen Minuten werden beide Blätter getrennt und man erhält sein fertiges Foto. Sehr schade ist nun, dass nachdem letztes Jahr die Produktion des hochempfindlichen S/W Film FP 3000c eingestellt wurde, im März das Aus für den Farbfilm FP 100c (ISO 100) verkündet wurde. Ich habe jetzt noch 23 Aufnahmen die ich bei einem geeigneten Fotoprojekt verbrauchen werde. Vielleicht werde ich später darüber berichten.

…eine Alternative: Fuji Instax-Wide Film

Als Sofortbildmaterial bleiben jetzt die Filme von Impossible oder die Instax-Filme von Fuji übrig. Ich habe mich für letzteren im Wide-Format entschieden, da er preiswerter ist und standardisiert geliefert wird. Der Instax-Film hat eine Empfindlichkeit von 800 ISO ist also um 3 Blenden schneller als der FP 100c Trennbildfilm, bei Sonnenschein schon fast zu schnell – 1 sec bei Blende 200 -. Gegenüber den Trennbildfilmen findet bei den Instax-Filmen die Entwicklung im geschlossenen System zwischen zwei Folien statt. Die Rückseite der Bildschicht wird durch die hinter ihr liegende durchsichtigen Folie belichtet. Zur Entwicklung wirft eine Sofortbildkamera das Bild motorisch zwischen zwei Walzen aus. Dabei wird die Entwicklerpaste aus dem Reservoir zwischen die Folien gleichmäßig verteilt. Die Entwicklung der Silberhalogenide beginnt, anschließend diffundieren die Farbstoffe in die Bildoberfläche und erzeugen das Bild innerhalb von 5 Minuten vollständig.

Anmerkung: Alle Versuche belichtete Instax-Filme mit Rollen oder Walzen manuell zu entwickeln sind mir misslungen. Meistens wurde dabei die Entwicklerpaste ungleichmäßig über die Bildfläche verteilt wobei Aufnahmen wie die Folgende entstanden. Schlimmer noch manchmal entwich Entwicklerpaste, eine ziemliche Schmiererei.

Garten, fotografiert auf Instax Wide, Loch 317 µm, Bildweite 74 mm, LW 12, 15 sec. Manuelle Entwicklung mittels Walze
Garten, fotografiert auf Instax Wide, Loch 317 µm, Bildweite 74 mm, LW 12, 15 sec. Manuelle Entwicklung mittels Walze

Letztendlich ist bei der Lochkamerafotografie die Handhabung von Instax-Film gegenüber Trennbildfilm umständlicher, da die einzelnen Filme der Kassette entnommen werden und nach dem Belichten wieder zurück in eine leere Kassette transferiert werden müssen, um sie schließlich in einer Sofortbildkamera entwickeln zu können. Man benötigt also zwingend eine Kamera für Instax Wide Film und da man den Bildwechsel immer im Dunkeln vornehmen muss, noch eine  Dunkelkammer oder einen Wechselsack. Ich verwende eine „Fujifilm Instant Camera instax 210“, sie ist nicht das neueste Modell dafür aber relativ Preiswert.

Experimentelle Lochkamera

Anmerkung: Mir ist bewusst das auch eine Sofortbildkamera zur Lochkamera umgebaut werden könnte. Auch einfachere Behältnisse wie Dosen oder Schachteln sind als Lochkamera benutzbar. Ich verfolge hier aber den Aspekt eine modulare Kamera für die Lochkamerafotografie zu gestalten und deren Möglichkeiten zu erproben, deshalb dieser Aufwand und Spaß kommt ja auch nicht zu kurz.

Ich habe mir die Mühe gemacht für den Instax Film eine passende Kamera aus 3 mm Hartfaserplatten zu bauen. Das gleiche Prinzip habe ich bereits für Planfilm oder Fotopapier umgesetzt.

Lochkamera für Instax Wide Film.
Lochkamera für Instax Wide Film, selbst fast schon ein kleines Kunstobjekt

Diese Kamera ist modular konstruiert und erlaubt den leichten Wechsel von Lochblenden. Zwischen zwei offenen Kästchen wird ein drittes Kästchen, der Lichtschacht eingesteckt. Dieser sorgt für den Abstand (Bildweite) zwischen Lochblende und Film. Der Lichtschacht wird gegen Reflexionen und Fremdlicht geschwärzt. Die Lochblende und die Öffnungen liegen nicht ganz mittig, sondern zentriert über der Bildmitte, das berücksichtigt die verschieden breiten Bildränder des Films. Die folgenden zwei Fotos verdeutlichen die Konstruktion.

Lochkamera Aufbau: Frontteil, Lochblende, Lichtschacht, Film, Rückteil, Hölzchen markiert gestochenes Loch im Messingblech.
Lochkamera Aufbau: Frontteil, Lochblende, Lichtschacht, Film, Rückteil, Hölzchen markiert gestochenes Loch im Messingblech.
Lochkamera geöffnet von Hinten betrachtet mit Foto
Lochkamera geöffnet von hinten betrachtet mit Foto

Nun setzt man die Kamera zusammen: Lochblende ins Frontteil, Film ins Rückteil einlegen, den Lichtschacht dazwischen positionieren und alles zusammenstecken.

Geöffnete Lochkamera geladen mit Instax Wide Film und eingelegter Lochblende
Geöffnete Lochkamera geladen mit Instax Wide Film und eingelegter Lochblende

Die Blendenöffnung wird mit schwarzem Karton verdeckt und die Kamera mit Gummiband gegen versehentliches Öffnen gesichert. Dieses Prinzip eignet sich gut für Experimente zur Lochkamerafotografie. Es lassen sich zum Beispiel mehrere Blendenkartons mit Löchern verschiedener Ausprägung anfertigen und damit Objekte kontrovers abbilden. Eine weitere Option wäre der Einsatz unterschiedlich langer Lichtschächte für variable Bildweiten. Wichtig ist nur, dass alles möglichst passgenau gebaut wird damit kein Fremdlicht eintreten kann.

Kurze baubeschreibung

Als Basismaterial wird 3 mm dicke Hartfaserplatte verwendet. Die zurecht gesägten Platten werden mit Hilfe einer Schablone passgenau zusammengesetzt und verklebt. Die Kannten werden mittels Tellerschleifer auf exaktes Maß geschliffen. Das Gehäuse wird von Außen mit Klarlack behandelt und innen mit matter Farbe geschwärzt. Speziell für das Schärzen der Innenflächen des Lichtschachtes ist schwarze Samtfolie optimal. Die Lochblende wird mit einer feinen Nadel in eine 25 µm dicke Messingfolie gestochen. Der entstandene Grad wird sehr vorsichtig mit 500er Schleifpapier abgetragen. Die Messinglochblende wird auf schwarzem Karton aufgeklebt und von hinten geschwärzt. Letztlich werden noch ein paar Gummibänder und etwas schwarzer Karton für den Verschluss benötigt.

Daten und Masse meiner Lochkamera:
  • Lochblende 270 µm in 25 µ dickem Messingblech
  • Bildweite (~Brennweite) 55 mm
  • Bildwinkel breit 59° (äquivalent 32 mm Kleinbild, bzw. 20 mm APS-C Format)
  • Bildwinkel diagonal 93°
  • Blendenwert f = 1 : 200 *)
  • Bildformat 62 mm x 99 mm (~ 2 : 3,2), Diagonale 116 mm
  • Filmgröße „instax-Wide“  86 x 108 mm
  • Außenabmessung der Kamera 115 x 92 x 62 mm

*) der Blendenwert errechnet sich aus Bildweite in mm dividiert durch Lochdurchmesser in mm)

Kamera mit Film bestücken…

Alle Handhabungen mit dem nicht entwickelten Film müssen natürlich im absolut Dunklen erfolgen. Für Unterwegs ist ein Wechselsack zwingend notwendig, zu Hause reicht ein absolut verdunkelter Raum.

Als Erstes werden die Filme einer Instax-Kassette durch vorsichtiges Herausschieben nach oben entnommen, wobei der Filmstapel von hinten vorsichtig mit einem Finger nach vorn drückt wird. Unbelichtetes und belichtetes Material bewahrt man getrennt in lichtdichten Behältnissen auf. Das nächste Bild zeigt eine Kassette mit teilweise entnommenen Film.

Fuji Instax Kassette mit Teilweise entnommen Filmblatt
Fuji Instax Kassette mit Teilweise entnommen Filmblatt

In der Lochkamera belichtete Filme kommen zum Entwickeln wieder zurück in eine Kassette, dazu muss die richtige Lage der Filmblätter ertastet werden. Der breite Rand kommt nach oben in die Kassette und die lichtempfindliche Rückseite mit den fühlbaren Chemikalienreservoirs zeigt nach vorn. Beim Einschieben des Films in die Kassette zurück ist etwas Fingerspitzengefühl notwendig damit er nicht verhakelt und dabei knickt. Bei einem Fotoshooting  😉  können die belichteten Filme dann in einer Kassette zum Entwickeln gesammelt werden.

… und Entwickeln

Zur Entwicklung kommt die Kassette in die „Instant Camera“, das Objektiv wird verdunkelt -!!!- und jeder Druck auf den Auslöser fördert ein Lochkamerafoto hervor. Das Ganze hört sich relativ kompliziert an, ist es aber nicht. Am besten man übt den Vorgang mal mit alten Filmen und einer leeren Kassette bei Licht.

Meine Gerätschaften: Wechselsack, Instax Filmpack, Belichtungsmesser, natürlich eine Uhr, die Lochkamera, Stativ mit Platte Leerkassette und der Entwicklungsautomat die "Instant Camera Instax 210"
Meine Gerätschaften: Wechselsack, Instax Filmpack, Belichtungsmesser, natürlich eine Uhr, die Lochkamera, Stativ mit Platte, Leerkassette und der Entwicklungsautomat die „Instant Camera Instax 210“
Fotografieren

Die Kamera wird auf einer Stativplatte mit einem Gummiband befestigt. So eine einfache Stativplatte mit Gewindebuchse ermöglicht es Kameras ohne Stativgewinde auf einem Stativkopf zu befestigen. Ist eine präzise Bildgestaltung  gewünscht benutze ich eine Digitalkamera als Sucherersatz. Ich weiß das entspricht nicht der puristischen Lochkamerafotografie, ist aber manchmal ganz praktisch. Natürlich stelle ich das Kästchen auch mal so in die Landschaft und schaue was wird.

Die Belichtung messe ich mit meinem Handbelichtungsmesser Gossen Digisix möglichst per Lichtmessung mit Kalotte. Der Einfachheit halber arbeite ich mit vorbereiteten Belichtungstabellen. Die Belichtungszeiten in der Tabelle errechnen sich aus dem Blendenwert der Kamera (hier 200)  und der Filmempfindlichkeit  (hier 800 ISO) und werden dem gemessenen Lichtwert  (LW) gegenübergestellt. Bei längeren Belichtungszeiten ab etwa 1 sec ist zusätzlich der Schwarzschildeffekt zu berücksichtigen. D. h. mit zunehmender Belichtungzeit muss diese mit logarithmischer Funktion verlängert werden. Aber ganz genau lässt sich das nicht berechnen da weitere Effekte wie Bildkontrast und Farbverschiebung dazwischen funken. Die korrigierten Werte in der Tabelle geben einen ersten Anhalt, der durch Erfahrung mit Leben erfüllt werden muss. Und wenn die Belichtung nicht ganz sitzt, macht die Bildbearbeitung nach dem Scannen noch einiges möglich. Mist man die Belichtung mit einer Kamera muss man die Belichtungszeit anhand der Blendenreihe hochrechnen und für die berechnete Zeit den korrigierten Wert ablesen.

Belichtungstabelle für ISO 800 und Blende 200 (es handelt sich hier um Richtwerte die entsprechend der Lichtsituation anzupassen sind)
Belichtungstabelle für ISO 800 und Blende 200 (es handelt sich hier um Richtwerte die entsprechend der Lichtsituation anzupassen sind)

Bei der Aufnahme sollte nichts wackeln. Deshalb bietet sich bei der Lochkamerafotografie die aus der Frühzeit der Fotografie bekante Hutmethode zur Belichtung an:

Hut vor das Objektiv, Objektivkappe abnehmen, Hut wegnehmen, belichten 21..22… Hut vor, Kappe drauf, fertig.

Vielen Dank für die Geduld beim Lesen und nun eine kleine Galerie von Fotos mit nachfolgender Diskussion. Alle Fotos habe ich mit 600 dpi eingescannt und nur minimal hinsichtlich Schärfe und Kontrast in Lightroom angepasst um Digitalisierungsverluste auszugleichen. Die Bilder können zum Vergrößern angeklickt werde.

 

Diskussion

Bei Sonnenschein mit kurzen Zeiten (< 1 sec) belichtet sind die Bilder von der Farbabstimmung neutral bis kräftig wie das Bild 4 -Eiche in der Feldmark- zeigt. Bei längere Belichtungszeiten (hier größer 10 sec) werden die Fotos blauviolett stichig und die Lichter fressen schnell aus, was deutlich am Himmel der Bilder 1, 2 und 3 erkennbar ist. Bei den langen Zeiten hat der Schwarzschildeffekt zugeschlagen, während die Schatten noch nicht genug Licht abbekommen haben ist die Belichtungszeit für die Lichter schon x-fach überschritten.

Das Monitortestfoto (Bild 5) zeigt für ein Lochkamerabild, so finde ich, eine unerwartete  Detailvielfalt. Das Testbild wurde in Excel gestaltet. Genau betrachtet erkennt man sogar die Spalten- und Zeilen Nummern der Tabelle. Trotz der sehr langen Belichtungszeit hält sich hier der Blauviolettstich in Grenzen und die Farben werden treffend wiedergegeben, ich vermute weil am PC-Monitor kein UV-Licht entsteht.

Das Repro (Bild 6) eines alten Leica Testdias entstammt der Idee einmal zu prüfen wie sich die Auflösung von Objekten verhält, die innerhalb der Bildweite fotografiert werden, also eine Nahaufnahme mit der Lochkamera. Anhand des Siemenssterns lässt sich grob eine Auflösung von 500 Linien/Bildhöhe ermitteln, erstaunlich für ein linsenloses System.

Hier tut sich ein neues Experimentierfeld auf: Zum Beispiel könnte ein Dia im Lichtschacht der Kamera fixiert werden. Eine damit gestaltete Aufnahme sollte doch interessante Projektions- oder Doppelbelichtungseffekte zeigen. So etwas geht nur mit der Lochkamera, ihrer streng linear geometrischen Optik und annähert unendlichen Tiefenschärfe.

Meine Instax-Film Lochkamerakonstruktion wollte ich hinsichtlich ihrer Abbildungsleistung testen und habe dafür eine Testtafel nahezu formatfüllend aufgenommen. Zum Vergleich habe ich die Testtafel noch direkt mit der Sofortbildkamera als Referenz fotografiert.

Die Lochkamera (Bild 7) liefert eine Auflösung von 400 Linien/Bildhöhe bei hohem Kontrast, die erkennbare Grenzauflösung liegt bei 700 Linien/Bildhöhe. Damit ist die theoretisch mögliche Auflösung erreicht. Der Zusammenhang wird für Interessierte hier beschrieben **). Wäre sie eine Digitalkamera würden wir von ca. 0,3 bis 0,7 Megapixeln sprechen.

Die Referenzaufnahme mit der Sofortbildkamera (Bild 8) erreichte eine Auflösung von 720 Linien/Bildhöhe mit hohem Kontrast und die Grenzauflösung habe ich mit 1200 Linien/Bildhöhe ermittelt. Fuji gibt für den Instax-Wide-Film 10 Linien/mm also 620 Linien/Bildhöhe an [2]. Also erscheinen mir meine Messungen plausibel.

**) Die Lochkamera, Abbildungsoptimierung, Physikalische Hintergründe, U. C. Schmidt-Ploch

Instax-Film vs. Trennbildfilm

Für einen objektiven Vergleich fehlen mir unter identischen Bedingungen aufgenommene Fotos. Persönlich gefallen mir die Fotos des Trennbildfilms besser. Sie wirken schärfer, farbneutraler und haben die Haptik echter Fotos. Die Handhabung von Trennbildfilm ist wesentlich einfacher man bekommt das Ergebnis sofort in die Hand. Allerdings fällt auch immer ein Negativ mit Papierresten und anhaftenden feuchtklebtrigen Chiemiekalienresten an. Hier ist der Instax Film eine saubere Sache. Letztlich bin ich mir noch nicht sicher, ob der Instax Film -für mich- den Stellenwert des Trennbildfilms erreichen wird.

Zum Abschluss noch ein aktuelles Instax-Foto, welches ich auf einer Autobahnbrücke zum Thema Lichtspuren als Kontrast zu vielen Digitalaufnahmen gemacht habe, in Farbe und nach S/W gewandelt.

Da der Trennbildfilm FP 100c auch Bestandteil der Diskussion in diesem Beitrag war zeige ich hier noch beispielhaft drei Fotos für einen persönlichen Eindruck.

 

 

 

 

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