Projekt Kleinbild-Lochkamera

Lochkamerafotografie eine spezielle Art der Fotografie, ermöglicht das bildnerische Gestalten durch Projektion des Lichtes nur durch ein Loch, die Lochblende.

„Das geht mit der hier vorgestellten Bastelei“ Canon A1 mit Lochblende

Im Englischen  „Pinhole Photography“ genannt, der „Pin“ ist die Nadel die wir von der Pinwand her kennen und „hole“ steht für das Loch, welches mit dem Pin in die Front der Kamera (oftmals eine Dose) gestochen wird. Hinter der Lochblende befindet sich die Projektionsfläche, auf der der Raum außerhalb der Kamera zweidimensional abgebildet wird. Ein auf diese Projektionsfläche gelegtes Fotopapier und schon ist die Kamera fertig, fehlt nur noch der Verschluss um das Licht zeitlich begrenzt eintreten zu lassen.

Lochkamera oder Camera obscura, auf den historischen Hintergrund verzichte ich hier ganz bewusst, da dieser hinreichend beschrieben und für Jedermann leicht zu recherchieren ist. Die hier angerissenen technischen Zusammenhänge und Berechnungen sind lediglich begleitende Hintergrundinformation und werden für die Bastelei und zum Fotografieren nicht zwingend benötigt. Also, Lochblende nach Anleitung bauen, Belichtungstabelle ausdrucken und los geht es.

Eine Lochkamera weist ein einfaches Abbildungsprinzip auf. Von jedem Objektpunkt scheint ein Lichtstrahl ganz gerade durch das Loch auf den Film und bildet einen Fleck in Form und Größe des Loches ab. D. h. je kleiner das Loch ist, je kleiner ist der belichtete Fleck und je schärfer oder korrekter gesagt, je höher aufgelöst ist die Abbildung. Leider kann das Loch nicht beliebig klein gemacht werden, da erstens die Belichtung immer länger dauern würde und zweitens auf Grund der Beugung ab einer bestimmten Kleinheit des Loches die Abbildung wieder unschärfer würde. Das heißt die Lochkamera hat eine Auflösung die in etwa dem Durchmesser des Loches entspricht *). Apropos Schärfeleistung und Auflösung, hier kommen wir schon zu der Fragestellung, was macht die Abbildung einer Lochkamera aus. Nun, Liebhaber von hoher Schärfe und gutem Kontrast haben hier keinen Spaß. Aber die Lochkamerafotografie ermöglicht Bilder mit einem weichen Schmelz, mit interessanten Perspektiven und großer Tiefe. Durch die meist langen Belichtungszeiten verwischt alles Bewegte wie Blätter, Wolken und Personen.

*) Das ist die Auflösung mit 100%igem Kontrastverhältnis also Linie im Abstand des Lochdurchmessers total getrennt abgebildet werden, wobei sehr wohl feinere Strukturen erkennbar sind. Bei feingliedrigen kontrastreichen Motiven ist eine erstaunliche Detailvielfalt erkennbar.

Um an der Lochkamerafotografie gefallen zu finden, sollte man schon etwas Faszination dafür entwickeln lediglich mit einem kleinen Loch als optisches Instrument fotografieren zu können. Nachfolgend möchte ich zeigen wie man sich mit einfachen Mitteln in dieser Materie erproben kann.
Das Kleinbildformat reizt die Möglichkeiten der Lochkamerafotografie wahrlich nicht aus, dennoch eignet es sich gut für den Einstieg, da die Filme preiswert sind und ins Labor gegeben werden können. Kleinbildkameras sind noch überall in den Schränken und lassen sich mit geringem Aufwand umrüsten. Am einfachsten gestaltet sich das kleine Projekt mit einer alten analogen Spiegelreflexkamera.

KB-Reflex-Lochkamera mit Gegenlichtblende
KB-Reflex-Lochkamera mit Gegenlichtblende

Ein großer Vorteil gegenüber anderen Lochkamerakonstruktionen ist bei der Spiegelreflexkamera, dass ein zeitgenauer Verschluss mit Selbstauslöser schon eingebaut ist. Das vereinfacht die Bedienung schon erheblich.

Was wird zum Bau der Lochkamera benötigt?
  • Wie besagt, die analoge Kleinbild-Spiegelreflexkamera
  • Gehäusedeckel
  • dünnes Blech (Alufolie ist weniger geeignet)
  • schwarzer Karton und Pappe
  • eine Nadel
  • Schleifpapier 400 oder 500er
  • Lupe und Lineal
  • schwarzes etwas breiteres Isolierband oder Veloursfolie
  • Farbnegativfiln ISO 200
Die Bauanleitung

Zuerst stechen wir uns ein Loch in das Blech. Der gewünschte Lochdurchmesser ist nicht beliebig, und sollte für eine optimale Bildqualität für jede Bildweite (Abstand vom Loch zum Film) berechnet werden.
Die Bildweite bei KB-Spiegelreflexkameras beträgt ca. 45 mm und entspricht, wer es genau wissen möchte, dem Auflagemaß der Kamera. Für die Berechnung des Lochdurchmessers nehme ich immer diese Formel bei Schmidt-Ploch gelesen:

ø = √ (F x λ x B)

wobei ø = Lochdurchmesser in µm, F = Faktor, λ = Lichtwellenlänge in nm und B die Bildweite in mm sind:

ø = √ (2,44 x 550 x 45) = 246 µm gerundet 250 µm Lochdurchmesser

Am besten man sticht sich gleich mehrere Lochblenden, in dem man die Nadel vorsichtig drehend in die Blechstückchen bohrt. Der entstandene Blechgrad auf der Rückseite wird mit ganz wenig Druck in kreisenden Bewegungen weggeschmirgelt.

Utensilien zum Loch stechen, Schleifpapier 500er, markiertes Blech (ideal Messing 25 µm dick), feine Nadel
Utensilien zum Loch stechen, Schleifpapier 500er, markiertes Blech (ideal Messing 25 µm dick), feine Nadel

Dann werden die Lochblenden mit Lupe und Lineal auf Rundheit kontrolliert, der Durchmesser abgeschätzt und die passendste Lochblende von ca. 250 µm ausgesucht. Man muss da nicht überpingelig sein und macht es eben so gut es geht. Auch von der Mathematik abweichende Löcher erzeugen interessante Bilder und kleine Abweichungen erkennt man nicht.

Als Halter für die Lochblende dient der Gehäusedeckel der Kamera in den man in die Mitte ein Loch von ca 6-10 mm bohrt.
Die Lochblende wird auf die ein gelochtes Stück Isolierband oder Folie geklebt und dieses in den Bajonettdeckel eingeklebt. Man justiert möglichst genau damit die Lochblende zentral positioniert ist.
Als Justierhilfe zeichnet man 2 Kreise im Durchmesser des Gehäusedeckels mit einem Zirkel auf Pappe auf und schneidet sie aus. In die Mitte der Scheiben wird ein Loch zu durchschauen gepiekt. Wird der Gehäusedeckel zwischen die Pappen gehalten, erkennt man, gegen das Licht gehalten, schnell ob die Lochblende weitgehend mittig positioniert ist.
Um Reflexionen an glänzenden Flächen zu verhindern ist es sinnvoll den Deckel insgesamt von innen matt zu schwärzen. Ich nehme dafür schwarze Veloursfolie, aber Karton geht auch.

So nun kommt der Deckel auf das Kamerabajonett, hier sollte man prüfen ob er fest und lichtdicht sitzt, wenn nicht, kann er mit Klebestreifen befestigt werden. … Den Film einlegen, falls notwendig noch die Batterie der Kamera erneuern und fertig ist die KB-Pinhole.

High Tec der 70er trifft auf Lochblende. Vorn, kleine einsteckbare Gegenlichtblende aus Karton
High Tec der 70er trifft auf Lochblende. Vorn, kleine einsteckbare Gegenlichtblende aus Karton
Wie belichtet die Kamera?

Bevor man mit dem Fotografieren loslegt, macht man sich ein paar Gedanken über die fotografischen Parameter, wie Blende, Belichtungszeit, Lichtwert (Intensität des vorhandenen Lichtes).
Für die Bestimmung der Belichtungszeit benötigen wir den Blendenwert den unsere Konstruktion ergibt. Dieser errechnet sich indem die Bildweite in mm durch den Durchmesser der Lochblende in mm dividiert wird.

Allgemein KB-Spiegelreflexen:
45 mm / 0,25 mm = 180
für Canon FD-Bajonett:
42 mm / 0,23 mm = 180

Wir erhalten richtungsweisend einen Blendenwert von f = 1 : 180.
Zur Belichtungsmessung gibt es 3 Möglichkeiten den externen Belichtungsmesser, eine Kamera mit eingebauten Belichtungsmesser oder die Lichtwerttabelle. Ich habe alle Möglichkeiten für Farbfilm mit ISO 200 in der folgenden Tabelle zusammen gestellt. Zusätzlich habe ich für die langen Belichtungszeiten die Korrektur des Schwarzschildeffekts berücksichtigt. Der Schwarzschildeffekt beschreibt die kontinuierliche Abnahme der Filmempfindlichkeit bei langen Belichtungszeiten, wie sie bei der Lochbildfotografie üblich sind.

Belichtungstabelle für Lochkamera mit Farbfilm ISO 200 und Blende f= 1:180
Belichtungstabelle für Lochkamera mit Farbfilm ISO 200 und Blende f= 1:180

Da Farbnegativfilm einen großen Belichtungsspielraum hat, sollten die meisten Aufnahmen gelingen, und bei Unsicherheit sollte man halt mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Zeiten machen. Wichtig beim Verwenden der Tabelle ist, dass der Belichtungsmesser bzw. die Mess-Kamera auf ISO 200 eingestellt sind. Vom Belichtungsmesser wird der Lichtwert (LW) in die Tabelle übernommen. Wird die Belichtung mit einer Zweit-Kamera gemessen so wählt man bei dieser im Modus AV die Blende 22,  bzw. im Modus TV 1/60 sec vor und übernimmt die gemessenen Zeiten bzw. Blendenwerte in die Tabelle. Die Zeit mit der belichtet werden soll findet man dann in der entsprechenden Zeile unter der Spalte „Korrigiert“. Ist kein Messgerät zur Hand sollten auch die Belichtungshinweise eine Hilfe sein. Am besten man notiert sich die Zeiten und sammelt so Erfahrungswerte für den nächsten Film.

Was sieht die Kamera und welchen Bildausschnitt lichtet sie ab?

Unsere Konstruktion mit einer Bildweite von ca. 45 mm stellt einen Bildausschnitt wie ein Normalobjektiv dar. Das ist wichtig zu wissen, da man wegen der kleinen Blendenöffnung meistens durch den Reflexsucher nichts erkennen kann. Zur Information, die Kamera lichtet horizontal 45° und vertikal 30° ab.

Auf Fototour

Unsere Ausrüstung sollten wir jetzt noch durch ein Stativ, einen Drahtauslöser, eine kleine Wasserwaage und falls vorhanden, einen Belichtungsmesser oder eine „Mess-Kamera“ komplettieren.
Die langen Belichtungszeiten (meist mehr als 1 Sekunde) machen prinzipiell ein Stativ oder Ähnliches notwendig. Um Stürzende Linien und schiefe Horizonte zu vermeiden ist die Ausrichtung der Kamera mit einer kleinen Wasserwaage vorteilhaft.
Bei der Bildgestaltung sollte man im Hinterkopf haben, dass die besondere Tiefe der Fotos gut zur Geltung kommt wenn Objekte im Vordergrund (Zäune, Pflasterung etc.) mit einbezogen werden. Zusätzlich hilft leichtes Streiflicht den schwachen Kontrast von Lochkamerafotos aufzupeppen.
Die Belichtung erfolgt anhand der Tabelle, als Richtwerte. Am Anfang lohnt es sich auf jeden Fall eine Stufe über- und eine Stufe unter zu belichten.
Wer nicht selbst entwickeln kann oder möchte gibt den Film ins Labor und bestellt gleich eine CD mit. Diese Fotos lassen sich dann noch gut nachbearbeiten. Genauso gut können natürlich die Negativstreifen oder Papierbilder aus dem Labor gescannt und bearbeitet werden.

Ein paar Fotos meiner ersten Tour mit der Kamera. Aufgenommen spät nachmittags bei Sonnenschein auf meiner Foto-Teststrecke. Den Film habe ich selbstentwickelt und die Negative mit einem CanoScan 9000F eingescannt. Die Bildbearbeitung erfolgte moderat hinsichtlich Kontrast, Farbabstimmung und Schärfung in Lightroom.      Zum Vergrößern bitte anklicken.

 

2 Gedanken zu „Projekt Kleinbild-Lochkamera“

  1. Ich finde der Bau ging einfach von statten. Ich habe das ganze probiert und finde das Ergebnis als gelungen. Zum Glück hatte ich noch eine Spiegelreflex im Schrank liegen und wollte mal etwas neues probieren. Ich habe das ganze wie oben mit einem Klebestreifen fixiert und hat bestens geklappt.

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